Aufzeichnungen aus der Wirrnis des Alltags

Monat: April 2017

„Was hörst Du so für Musik?“

Individuelle Abweichungen nicht ausgeschlossen, ist diese Frage geschätzt zwischen 15 und 25 herum fester Bestandteil jeder Konversation mit neu kennengelernten Gleichaltrigen. Zumindest als ich diese Phase durchlief, verriet die Lieblingsmusik über Geschmacksfragen hinaus viel über die Gesinnung des Gegenübers, sagte einiges aus, wie jemand allgemein tickt. Hier trennte sich oftmals die Spreu vom Weizen; es entschied sich anhand der Hörgewohnheiten, ob mit jemandem etwas angefangen werden konnte oder halt nicht.

Außerhalb bestimmter Szenen verlieren solche Barrieren mit zunehmendem Alter zum Glück an Bedeutung. Was nicht gleichbedeutend mit völliger Gleichgültigkeit ist. Wenn etwa die Meute zu Klängen von Fischers Helene textsicher mitgröhlt, entwickelt sich in mir auch heute das akute Bedürfnis, sich mit einer Mischung aus Skepsis und Vorsicht der Szenerie abzuwenden, das verlässliche Koordinatensystem der Jugend zurückzuwünschen und wieder stärker in „Die“ und „Wir“ zu unterscheiden.

Nichts liegt mir ferner als in ein wie auch immer genau spezifiziertes „Früher war alles besser“ einzustimmen. Allein das Verhältnis zur Zukunft war ein entspannteres: Diese wurde nämlich dorthin verbannt, wo sie eigentlich auch hingehört: ins Nachher. Derweil im Jetzt allein die beiden Fragen interessierten: Wohin am Abend? Und mit wem? Insofern unterscheidet sich eine Generation von Heranwachsenden nur unwesentlich von der vorherigen oder der nächsten.

Als ich Anfang 20 war, wagte an Mobiltelefone als Alltagsgegenstand niemand ernsthaft zu denken. Die wenigen, die im Umlauf waren, hatten vor allem diesen einen Zweck: das Selbstwertgefühl des Besitzers aufzupolieren: Wer so ein Teil benötigte, war wichtig. Übrigens konnte man damit auch telefonieren. Zwar eben auch nicht mehr als das, doch das war ohnehin von untergeordneter Bedeutung.

Warum ich das schreibe? Hätte der Handyboom einige Jahre früher eingesetzt, wäre ich vermutlich ein anderer Mensch geworden. Denn: Zwar konnte ich im Laufe meiner pubertären Entwicklung durchaus die eine oder andere Telefonnummer von etwa gleichaltrigen Mädchen bekommen. Ob das aber ihre tatsächliche Nummer war oder ob mir nur aus Mitleid irgendeine Nummer, etwa von der Tante, gegeben wurde, habe ich selten bis gar nicht überprüft. Zu abschreckend war für mich die Möglichkeit, vor der eigentlichen Adressatin zunächst Geschwister oder – noch schlimmer – Eltern an den Hörer zu bekommen. Was man jedoch nicht zwangsläufig auch gleich hört. In meiner Vorstellung gab es nichts Peinlicheres als mit dem Einstieg „Hi, hier ist Micky, wie geht es Dir“ den weiteren Gesprächsverlauf ungünstig zu beeinflussen, weil ich statt der Angebeteten selbst deren Mutter am Apparat hatte.

Der Horror war natürlich auch umgekehrt vorstellbar: „Guten Tag (das Hallo gegenüber Erwachsenen begann sich zu dieser Zeit erst allmählich durchzusetzen), hier ist Micky. Ist … zu sprechen“, zu fragen, während die Herzdame schon persönlich dran und also von meinem leider nur minimal entspannten Stammeln maximal unbeeindruckt war – für den Moment und für alle Zeiten.

Wie ich im weiteren Verlauf der Geschichte mehrfach lernen durfte, gibt es sehr wohl peinlichere als die eben skizzierten Situationen. Aber ob und wann ich davon öffentlich preisgebe, entscheide ich nicht hier und heute.

Zurück zur Musik

Da ging es ja bei gesund entwickelten Jugendlichen viel um Abgrenzung. Vor allem von der Elterngeneration, bei der seinerzeit zur Verunglimpfung der meisten musikalischen Spielarten, die über den begrenzten Kosmos von Schlager und volkstümlicher Musik hinausgingen, der Ausdruck „Negermusik“ ein durchaus noch geläufiger Begriff war. Was mich an guten Tagen hin und wieder dazu verleitete, auf die Einstiegsfrage nach meinen musikalischen Vorlieben die Antwort zu geben, daß meine Tante behaupte, das sei alles „Negermusik“.

In Wahrheit war, ist und bleibt Heavy Metal eine Angelegenheit von überwiegend weißen Musikanten. Nicht viel anders sah und sieht die Sache bei Punkrock und Hardcore aus, wohin ich mich nach einiger Zeit aus ästhetischen und politischen Gründen eher hingezogen fühlte. Daß in beiden Szenen Alkohol eine tragende Rolle einnimmt, wird mit Sicherheit Zufall gewesen sein.

Die eigentliche Pointe ist jedoch, daß später auch Hip Hop und Reggae den Weg in meine Gehörgänge gefunden haben, ich mich aber zu dieser Zeit mit gewissen Leuten schon nicht mehr über Musik mit unterhalten habe, weshalb ich nicht sagen kann, welche Bezeichnungen meine Tante hierfür gefunden hätte. Sollte ich allerdings jemandem die Bedeutung des Wortes „Treppenwitz“ erklären müssen, habe ich seitdem ein anschauliches Beispiel.

Während für uns, also die gute Seite, allmählich aus der Ahnung, die Welt sei nicht in Ordnung, Gewissheit wurde, veröffentlichten zwei Kapellen ihre wichtigsten frühen Werke. Bis heute spielen diese beiden Bands sich regelmäßig wieder in meine persönlichen Charts. Es handelt sich um Bad Religion sowie NO FX, beides Institutionen melodiösen Punkrocks bis heute. Ihre Bedeutung verdanken beide auch dem durch sie angetretenen Beweis, daß der mehrfach totgesagte Punk in der Lage ist, sich aus sich selbst heraus zu erneuern. Aus diesem Grund haben wir Grunge nicht so sehr benötigt wie andere Kinder unseres Jahrgangs: Deutlich zu jung, um die eruptiven Ursprünge des Punk selbst miterlebt haben zu können, hatten wir unsere musikalischen Offenbarungen unter anderem Dank der genannten Bands trotzdem schon vorher.

Weil zum Punk-Sein zwingend eine höhere oder niedere Form des Angepisst-Seins gehört, bedarf es einer kurzen Klärung: Selbstredend ist das Angepisst-Sein von heute, in meinem Fall eher so ein individualisiertes Angepisst-Sein, kaum zu vergleichen mit der früheren gemeinschaftlich-solidarischen und in manchem Fall gern auch zerstörerischen Wut auf fast alles außer uns selbst. Insofern ist die Frage berechtigt, ob Punkrock heute nicht größtenteils zur Folklore für eine in die Jahre gekommene einstige Jugendbewegung sei.

So lange meine Altersgenossen mir aber als Alternativen nicht mehr anbieten können als den Einstieg in den erwähnten Fischer-Chor und das ironiefreie Feiern zu Musik, die niemandem wehtut, sind sämtliche dieser Zweifel an der Notwendigkeit von Punkrock mit nur einer Handbewegung beiseite gewischt.

Ausgelernt

Was ich ihm noch alles beibringen wolle? Ton und Mimik, die zu dieser Frage gehören, drücken eher aus, daß da aktuell wieder einmal daran gezweifelt wird, daß ich noch alle Latten am Zaun hätte. Okay – ich habe selbst gesagt, er sei zu blöd zum Lernen. Aber das geschah einzig zu dem Zweck, jegliche weitere Diskussion zu unterbinden, als mir im Fressnapf an der Kasse wie jedes Mal noch irgendein zusätzlicher Mist zu meinem Einkauf angeboten wurde. Und wenn der Hund gegen die Glasscheibe einer Terrassentür springt, weil er nicht unterscheiden kann, ob dort jetzt offen oder geschlossen ist, liegt das am Grauen Star und nicht daran, daß er nicht mehr für voll zu nehmen wäre.

„Ich wusste, daß ich auf Deine Unterstützung zählen kann“, denke ich also so bei mir, will andererseits auch nicht ungerecht erscheinen. Bei einem 12 Jahre alten Hund muss immer damit gerechnet werden, daß jemand die Frage stellt: Kann, soll oder muss man dem Tier jetzt wirklich noch etwas beibringen?

Man muss nicht, wenn es nicht sein muss. Aber sollte es sein müssen, kann man.

Zumal es hierbei nicht um Zirkuskunststücke geht, sondern um Grundlagen. Für Sprünge durch Feuerreifen, Salto Mortale oder Flickflacks ist der Hund wohl in der Tat zu alt. Für ein Anti-Giftköder-Training dagegen kann ein Hund gar nicht zu alt sein. Wie ich lesen durfte, sei das Thema Giftköder nämlich in aller Munde. Zwar ist das Thema eigentlich zu ernst, um darüber blöde Wortspiele zu machen, doch dieses Fundstück aus den amazon-Kundenrezensionen zu der Lehr-DVD, die ich geordert habe, fand ich köstlich!

Gut die Hälfte seiner bisherigen Lebenszeit hat Oka bei uns, später bei mir verbracht. Trainerinnen hatte ich in dieser Zeit drei. Das sind natürlich weniger Übungsleiter als der HSV durchschnittlich pro Saison verschleißt, aber gemessen daran, daß es um einen Hund geht, irgendwie fast schon wieder viel.

Und natürlich hatte ich zwischendrin auch auf eigene Faust versucht, ihm das eine oder andere beizubringen. Vermutlich kommt aus den Erfahrungen jener Zeit heraus die Ahnung, die ich beim Fressnapf an der Kasse geäußert hatte.

Hochmotiviert hatte ich beispielsweise zwecks Bindungsaufbau Futter aus der Hand gegeben und zwei Spielzeuge für ihn und mich geholt: eine Reizangel und einen Futter-Dummy zum Apportieren. Die Reizangel – nun ja, ich hätte vor dem Kauf überlegen sollen, ob das für seine Knie das Richtige ist. Ich hatte seine Ärztin gefragt, die zu dem Thema die grandiose Antwort hatte, wenn er dabei nicht so häufig abrupte Richtungswechsel vornehmen müsse, sei das genau das Richtige. Es lag aber nicht an dieser Antwort allein, daß diese Ärztin nunmehr mit dem Zusatz „damalig“ genannt werden muss und die Anzahl der Ex-Ärzte mit derjenigen der Ex-Trainerinnen gleichauf liegt. Da kamen später noch andere Sachen.

Reizangel zu verschenken

Kein Witz! Wer als erstes „Hier, bitte!“ ruft, kann sie haben. Oka bleibt ja noch sein Snack-Dummy.

Den ich nach den ersten Versuchen auch bald wieder verschenkt hätte. Und zwar spielte sich das etwa so ab: Zunächst las ich mich zweieinhalb Abende lang durch etliche Foren und wurde erwartungsgemäß mit jedem Beitrag verwirrter. Die erste Lektion, die ich begriff, lautete: Die Leute haben alle unterschiedliche Tiere, auch wenn diese a) ähnlich aussehen und b) alle Hunde sind. Konsequenz daraus ist Lektion Zwei: es gibt deutschlandweit geschätzt mehr Zugänge zum Thema Apportieren als es überhaupt Hunde gibt.

Wenn ich es also so gesehen nur verkehrt machen kann, Lektion Nummer Drei, kann ich auch ohne größeres Know-How unmittelbar loslegen. Das ist Punk, das gefällt, auf in den Kampf! Das Teil durch die Gegend gepfeffert, der Hund auch sofort hinterher und es sich geschnappt. Das fängt doch schon richtig gut an.

Aber eben nur bis zu diesem Punkt. Danach wusste der Hund nicht weiter. Ich auch nicht. Also auf einen Forenbeitrag zurückgreifen, in dem es hieß, bereits die ersten Schritte in meine Richtung sollten überschwänglich gefeiert werden. Also habe ich Party gemacht wie in meiner Sturm-und-Drang-Phase. Habe den Hund angefeuert wie einst im Mai 1999 die SGE, als klar wurde, daß in den letzten Minuten noch ein Tor für ein weiteres Jahr 1. Liga benötigt würde. Daraufhin hat er sich so sehr gefreut, daß er den Futterbeutel hat fallen lassen und umgehend zu mir gelaufen kam. Das war zwar okay, doch Apportieren geht anders.

Sehr viel später haben wir diese Übung dann mit seiner dritten Trainerin gemacht, was auch gut funktioniert hat. Das ist jetzt erst wenige Wochen her, nämlich kurz bevor er 12 geworden ist. Soviel übrigens als Antwort auf die Frage, ob man einem Hund in diesem Alter noch etwas beibringen soll oder kann.

Es offenbart sich an diesem Punkt die Richtigkeit der Forderung, daß die Leute damit aufhören mögen, Hunde permanent zu vermenschlichen. Nur weil die meisten nicht willens sind, ihre Komfortzone zu verlassen, bedeutet das ja nicht, daß es grundsätzlich nicht möglich wäre. Und: das betrifft leider nicht nur ältere Menschen. Sondern viele denken ab einem gewissen Punkt, ihr Reifungsprozess wäre abgeschlossen und sie bräuchten nichts mehr dazuzulernen. Daß man zum Beispiel im beruflichen Kontext just in dem Moment, ab dem es überhaupt beginnt interessant zu werden, „ausgelernt“ habe, verrät viel über die dahinterstehende Denkweise.

Diese Mentalität auf lernbegierige Tiere zu projizieren, ist so unzulässig wie schade. Auf Menschen bezogen wird es allerdings regelrecht fatal, wenn persönliche Weiterentwicklungen durch solche Einstellungen vorsätzlich gebremst werden.

In vollem Bewusstsein darüber, wie leicht die vorangegangenen Sätze ebenso gut mit einem neoliberalen Plädoyer für eine Quasi-Verpflichtung zum lebenslangen Lernen verwechselt werden können, möchte ich noch dringend folgenden Hinweis loswerden: Das Bedürfnis nach Bildung und Weiterentwicklung muss sich nicht zwangsläufig an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes orientieren. Erlaubt ist, was gefällt. Hauptsache, es macht Euch glücklich. Wenn irgendwer selbst aus Eurem unmittelbaren Umfeld ungläubig fragt, ob Ihr noch alle Latten am Zaun habt, ist das kein objektives Urteil über die Qualität Eures Vorhabens, sondern womöglich sogar ein Hinweis darauf, daß Ihr damit goldrichtig liegt. In diesem Sinne: Bleibt lebendig!

Das Erste und das Beste

Die meisten von uns sind ja nicht nur an Ostern auf der Suche, sondern irgendwie permanent. Sei es nach dem Sinn des Lebens, nach Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit, nach einem besseren Leben, einem Partner fürs Leben oder was auch immer. Weil das mitunter kompliziert, desillusionierend und entmutigend sein kann, hält unsere Gesellschaft eine Vielzahl an Ersatzbefriedigungen für so ziemlich jeden Geschmack bereit: Alkohol und andere psychoaktive Substanzen, TV und das world wide web, Shopping, technischen Schnickschnack und vieles mehr. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die oftmals nicht minder schwierigen Fälle des Suchens im Alltag. Ob es sich um die Auswahl an Fruchtjoghurts im Supermarkt handelt oder um das angemessene TV-Programm – wenn man nicht aufpasst, ist man länger am Suchen als am Genießen. Aus Ignoranz oder aus Bequemlichkeit wird dann häufig das erstbeste genommen, das zu greifen ist.

Daß die erste Wahl sich später nicht immer auch als die beste herausstellt, bleibt dabei nicht aus.

Was in sonst beinahe allen Lebensbereichen gilt, wird nicht ausgerechnet beim Schreiben anders sein. Konkret: Die erste Idee auf Gedeih und Verderb weiterzuspinnen, führt nicht automatisch zu einem spannenden Text. Weshalb es ein gewisser Vorteil sein kann, hier auf mehreren Gleisen zu fahren.Voraussetzung wäre natürlich, mehr als eine Idee zu haben.

Man merkt vielleicht schon: Wie bereits in der Vorwoche befinde ich mich auf der Suche. Wie die meisten von uns eben. Doch die Suche nach Inspiration führt so manches Mal einfach nur in einen Irrgarten. Etwa wenn ich beim Querfeldeinlesen über einen Beitrag stolpere, in dem es heißt, daß gutes Schreiben durch vieles Lesen maximal gefördert werde. Was ja sachlich richtig ist, mich aber umgehend auf die nächste Suche schickt: wer nämlich die Zielgruppe ist, für die so etwas extra erst geschrieben werden muß? Können die nicht bitte etwas anderes machen als einer daran ohnehin überversorgten Gesellschaft zusätzliche Informationen zuzuführen? Es sind vermutlich die gleichen Menschen, die Tipps wie diese brauchen: „4 gute Gründe, warum Du unbedingt hochwertige Inhalte erstellen musst“ Also: Wenn ich etwas einer potentiell weltweiten Öffentlichkeit mit auf den Weg geben möchte, brauche ich keine vier Gründe, weshalb das unbedingt zu sein hat. Maximal einen. Daß es nämlich grundsätzlicher Anspruch an sich selbst sein sollte, keinen Schrott abzuliefern! Ob das Ergebnis dann gelungen oder man an seinen Ansprüchen gescheitert ist, ist ein anderes Thema. Ebenso der generelle Mangel an objektiven Kriterien, ab wann ein Inhalt hochwertig ist.

Hochwertige Inhalte bringen Besucher“, heißt es dort. Die Statistik hier, die bekanntlich nie lügt: Die aktuell reichweitenstärksten Nachrichtenportale sind bild.de und focus.de. Was ist denn nun richtig?

Richtig – falsch – egal – Fußball – Kind

Um eine Einordnung in „richtig“, „falsch“ und „weiß nicht“ drehen sich auch die Gedanken, wenn eine Suche mit einer Entscheidung vorläufig abgeschlossen ist und die Reflektion über die Tragweite dieser Wahl beginnt. Manchmal gesellt sich noch ein „egal“ dazu, aber das war es im Grunde. Sofern es sich lediglich um einen verkehrt gewählten Schokopudding handelt, mag das Thema schnell durch sein. Komplizierter wird es in anderen Bereichen des Lebens. Nehmen wir den bei vielen Paaren vorhandenen Kinderwunsch. Dieser, das nur nebenbei, ist mitunter völlig unabhängig davon vorhanden, ob man sich eine gemeinsame Zukunft in der Tat vorstellen will oder kann oder ob man zunächst wieder nur den erstbesten verfügbaren Menschen aus seinem Umfeld zum Partner genommen hat. Den Spatz in der Hand zu haben schließt nicht zwingend aus, trotzdem noch die Dächer nach etwaigen darauf befindlichen Tauben abzusuchen.

Ist nun das Kind gelungen, stößt das Prinzip, nicht immer nur das Erstbeste nehmen zu wollen, definitiv an seine Grenzen. Jedenfalls habe ich noch relativ selten Eltern über das Neugeborene urteilen hören: „Hmm, wir lassen es ´mal hier liegen, schauen uns noch einige weitere an und warten ´mal ab, ob wir das nächste dann behalten wollen.“

Insofern können beim Kinderkriegen durchaus Analogien zur Wahl des Lieblings-Fußballvereins beobachtet werden. Sofern nicht schon vorher durch familiäre Einflüsse festgelegt, ist das bei vielen Leuten der Verein, bei dem sie überhaupt das allererste Mal in einem Fußballstadion waren. Gut, das klingt zunächst nach einem etwas weit hergeholten Vergleich, aber entscheidend ist, daß weder Kind noch Verein jemals irgendwie infrage gestellt werden, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach da sind und im Regelfall bis ans Lebensende bleiben. Und nur Charakterschwache wenden sich jemals von ihm ab.

Deswegen habe ich auch beschlossen, in einem meiner nächsten Leben Fußballverein zu werden. Nicht daß ich es damit besonders eilig hätte. Im Gegenteil will ich mein aktuelles Dasein in Würde und in Ruhe zu Ende bringen. Aber irgendwann Fußballverein sein. Kein Geldanlageklub für gelangweilte reiche Menschen, erst recht kein Marketingwerkzeug, sondern einer mit Tradition. Von etlichen Tausenden von Menschen verehrt, geliebt und gehuldigt. Die Zauberformel lautet hier bedingungslos.

Eben wie ein Kind geliebt und gehuldigt wird – ein Gefühl, das die meisten unter uns hoffentlich kennen. So groß der Mist auch ist, den Du baust, es bleiben mindestens ein bis zwei Personen, die Dich kritisieren, aber lieben.

Selbst wenn Du nach objektiven Kriterien vielleicht nicht erste Wahl gewesen wärst.

Meine Tasche und ich

Gibt man in der Suchmaschine seines Vertrauens Begriffe ein, die in etwa dem Sinn von „Ideen“ und „Text“ entsprechen, bekommt man – nicht ganz unerwartet – etliche Treffer, deren Gebrauchswert ich jetzt nicht prinzipiell in Abrede stellen möchte, die aber mitunter ein doch recht hohes Maß an kreativer Begabung voraussetzen, sollte daraus am Ende in der Tat ein guter Text entstehen. Echte Perlen findet man wie meistens im Leben zufällig.

„Schreibe über den Inhalt Deiner Tasche!“

Ich gebe zu, daß ich diesen Tipp zunächst zu den ganzen anderen in die Kategorie „Schrott“ einordnen wollte. Auf den zweiten Blick offenbarte sich jedoch ein gewisses Potential, also nicht lange gezögert, ich präsentiere: das Innere meiner Tasche:

Drei Jonglierbälle. Letztes Jahr im Sommer hatte ich nach etlichen Jahren wieder angefangen, Bälle zu werfen. Seitdem sind die Bälle immer dabei. Und wie ich gerade darüber nachdenke, bemerke ich, daß das letzte Mal Üben ebenfalls letztes Jahr gewesen ist, nur eben ein bißchen später im Sommer. Ich könnte die Bälle also wieder ´rausnehmen, ohne daß es mir wehtäte.

Alternativ könnte ich die Bälle natürlich auch einfach gelegentlich benutzen. Aber das gehört jetzt nicht hierher.

Das Buch „Vrouwen in de tijd van de Bijbel“. Für den Fall, daß ich in der Arbeitspause ´mal nicht das Bedürfnis habe, die Abläufe nach der Pause gedanklich durchzugehen, sondern auch ´mal etwas für mich zu tun. Das Niederländisch-Lernen-Wollen gehört zu den running gags meines Lebens. Und in aller Regel läuft das ja wie folgt ab: Man befindet sich gerade in der Pause oder man sitzt im Auto. Plötzlich ist das Verlangen da, genau jetzt in diesem Moment endlich weiterzumachen mit dem Lernen. Aber außer der Tasche im Spind respektive auf dem Rücksitz hat man einfach nichts dabei, um sofort loslegen zu können. Und da später zuhause der Impuls dann bereits wieder verflogen ist, weil man nicht asap loslegen konnte, bleibt dieses Buch neben den Bällen in meiner Umhängetasche und begleitet mich jeden Tag zur Arbeit und von dort zurück. Für den Fall der Fälle.

Eine weitere Lektüre befindet sich seit dem Tag des Kaufes auf dem Bücherflohmarkt in der Tasche: Ein Werk über Emotionale Intelligenz. Schließlich will ich nicht in jeder Pause jonglieren oder Niederländisch lernen. Und da der Begriff auch im Dating-Kontext momentan en vogue ist, könnte es eher von Vorteil sein, hierüber Bescheid zu wissen als einigermaßen gut Niederländisch zu können. Zumindest solange ich in der näheren Umgebung und nicht im lässigsten Nachbarland von allen meine Herzdame zu finden gedenke.

Und weil man ja von Zeit zu Zeit erfahren möchte, wo genau man steht, habe ich vor etwa einem halben Jahr sogar einen Test gemacht. Dessen Ergebnisse besonders aufschlussreich zu nennen, wäre vielleicht etwas zu viel der Euphorie. Doch abgesehen davon, daß runde 10 Prozent komplett daneben und weitere ca. 25 Prozent zwar sehr wohl zutreffend sind, mir aber nicht gefallen können, kann man die Auswertung immerhin als amüsant bezeichnen. Ungefähr so als ob ein relativ guter Freund mir etwas über mich erzählt, der viel, aber zum Glück nicht alles von mir weiß.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Zusammengefasst habe ich einen durchschnittlich hohen Emotionalen Quotienten mit einigen Dingen, die verbesserungswürdig sind. Zwar kann man sich sicher sein, daß das so ähnlich auch dort geheißen hätte, wenn ich jede einzelne der 100 Fragen anders beantwortet hätte, aber wenigstens ein bißchen beruhigend klingt dieser Befund schon. Denn man kennt sich ja und hat daher eine gewisse Vorahnung, daß das nicht alles sein wird, sondern da noch etwas Unangenehmes folgt.

Und so wirklich lange lässt der erste Hammer auch nicht auf sich warten: „Allerdings kommt es schon öfter einmal vor, daß Sie die Fassung verlieren. Und das seltsamerweise gerade bei Kleinigkeiten“, heißt es da vielsagend. Da kommt dann letzten Endes wohl doch der gute Einfluss meines älteren Bruders zum Tragen. So mancher gegnerische Verkehrsteilnehmer und ebenso der eine oder andere Paketbote hat hiervon schon eine Kostprobe genießen dürfen. Ob das dann Kleinigkeiten sind oder nicht – wer vermag das schon seriös zu beurteilen..?!

Sie haben allzu oft schlechte Laune“

Das mag sein, aber das beginnt nicht unmittelbar nach dem Aufwachen, da bin ich im Normalfall noch positiv gestimmt, weil jeder Tag zunächst ganz unvoreingenommen mein bester Tag sein wird. Die singenden Vögel meines Lichtweckers noch zehn weitere Minuten ruhig gestellt, schnurrt mich der Kater allmählich wach. Der Hund ist noch zu müde, um ans Randalieren überhaupt zu denken. Wenn schlechte Laune, dann gewiss nicht aus Prinzip. Im Grunde beginnt sich die Stimmung erst mit den ersten Aufeinandertreffen mit anderen Menschen nach und nach zu verschlechtern. Wie passend, daß das nur wenige Absätze später in der Testauswertung auch entsprechend gewürdigt wird, wenn es heißt: „Tatsächlich sind Sie eine absolute Stimmungskanone. Diese permanent gute Laune ist wirklich ansteckend.“

Ich überlege, welche Antworten ich überhaupt gegeben habe, um ein derart widersprüchliches Bild von mir abzugeben. Doch bevor ich mir die Antwort geben kann, stolpere ich über den nächsten denkwürdigen Satz: „Die Gesellschaft anderer Menschen empfinden Sie manchmal als unangenehm.“ Ich weiß nicht, was ich davon nun wieder halten soll und frage mich, was verstörender ist: Der Gebrauch des Wortes „manchmal“ in diesem Zusammenhang oder daß ich wiederum nur wenige Zeilen weiter hiermit konfrontiert werde: „Auch eine größere Menschenmenge schreckt Sie nicht. Damit hätten Sie eigentlich das Zeug dazu, ein echter Entertainer zu werden.“

Geahnt hatte ich das schon länger.

Wechseln wir das Thema einmal ohne angestrengtes Bemühen um eine gelungene Überleitung. „Besonders schätzen Kollegen an Ihnen allerdings die Fähigkeit, Routinearbeiten sehr gründlich, exakt, rasch und auch noch fehlerfrei zu erledigen“, ist eine Bewertung, die für mich bei weitem nicht so negativ klingt, wie es der Subtext eigentlich suggerieren möchte. Schließlich ist es doch lediglich das, was man von einem nur halbwegs normal tickenden Individuum erwarten können sollte. Kaum auszudenken, auf welchem Niveau sich unsere Gesellschaft befände, wenn jeder einzelne wenigstens das hinbekäme und nicht an exakt solchen Routineangelegenheiten bereits regelmäßig scheiterte.

Da jede Schreibwerkstatt als Tipp im Standardrepertoire bereithält, gerne ´mal mit Erwartungen zu brechen, folgt hierauf gerade nicht die obligatorische Kollegenschelte. Es bedarf eines solchen Rekurses auf frühere Blogeinträge auch gar nicht, denn mangelnde Fitness in Routineangelegenheiten ist allerorten zu beobachten. Da ist etwa eine Hausverwaltung nicht in der Lage, Betriebskostenabrechnungen erstens korrekt und zweitens fristgerecht zu erstellen, ohne dabei – drittens – ein Jahr zu unterschlagen. Da verschwinden in der Finanzbehörde, bei denen ich gesteigerte Sorgfalt einfach ebenso voraussetze wie es dort umgekehrt auch von mir und allen anderen erwartet wird, zwei von drei eigenhändig eingeworfenen Dokumenten auf dem Weg zwischen Briefkasten und zuständigem Sachbearbeiter. Wer mag, ergänzt diese Aufzählung jetzt durch eigene Beispiele. Das Wochenende ist definitiv zu kurz, um sich vorsätzlich in Rage zu schreiben, nur weil irgendwelche als Paketfahrer nur mäßig getarnte Einzeller… lassen wir das!

Und weil Wochenende ist, benötige ich noch etwas Aufbauendes. Zwei „sehr positive Eigenschaften“ hätten sich bei mir verfestigt. „Nämlich eine gehörige Portion Selbstvertrauen und dazu noch eine Prise allerfeinster Humor.“ Nun, damit kann ich arbeiten. „Sie sollten sie deshalb ganz besonders pflegen und nach Möglichkeiten suchen, diese Talente weiter zu vervollkommnen.“

Sehr viel besser hätte ich es selbst nicht formulieren können. Aber das nenne ich ´mal eine Arbeitsanweisung. Fürs Wochenende und fürs Leben. Fürs Schreiben wie fürs Brautwerben.

Ob es aber allein für diese Erkenntnis vonnöten gewesen ist, einen 100 Fragen umfassenden Test zu machen oder ob das ähnlich ineffizient war wie die Suche nach Anregungen für Texte über Google und Co, lasse ich an dieser Stelle unkommentiert.

Festes Schuhwerk wird empfohlen

Es war damit zu rechnen, daß mir am Tag Eins nach dieser Schmach niemand aus dem Kollegenkreis bei der Begrüßung in die Augen sieht. Verständlich, schließlich habe ich selbst vor Verlassen der Wohnung nicht nur wie üblich gedanklich geprüft, ob ich Geld, Dokumente und alle Schlüssel dabei habe, sondern mit einem kurzen Blick nach unten zusätzlich gecheckt, ob ich diesmal zwei miteinander korrespondierende Schuhe an meinen Füßen trage. Also muss ich damit leben, daß alle, die tags zuvor miterleben durften, wie ich mit einem braunen Halbschuh links und einem schwarzen knöchelhohen Stiefel rechts erschienen war, den Blick ebenfalls als erstes Richtung Boden senken.

In der Liste der Dinge, die ich in diesem Leben kein zweites Mal erleben möchte, steht dieses Erlebnis zwar nicht so weit oben wie nachts komplett nackt ins Treppenhaus ausgesperrt, wenigstens aber doch auf einer Stufe mit dem Vorfall, als mich die Kassiererin im Norma auf Vogelscheiße in meinem Haar aufmerksam machte, die ich nicht bemerkt hatte.

Nachdem mein Lapsus passenderweise just zum Zeitpunkt einer Unterhaltung über Zeitumstellung, Aufstehzeiten und Morgenroutinen entdeckt wurde, dauerte es bis zu den ersten zugegeben gelungenen Sprüchen nicht sehr lange. „Finde den Fehler“ als Aufforderung zu einem umgehend angefertigten Foto dieses buchstäblichen Fehltrittes. „Willkommen in Mickys Welt“ hat mir auch sehr gut gefallen. Oder auch „mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden“.

Wie unschwer zu erkennen, bestätigte sich, daß wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen braucht. Meinen Konter, daß ich mich letzlich so sorgfältig anziehe, wie andere arbeiten, finde ich auch mit dem zeitlichen Abstand von ein paar Tagen noch passend. So herum wird nämlich ein Schuh draus. Ich durfte mir aber sicher sein, daß nicht alle diese Entgegnung so super fanden wie ich selbst. Doch nicht nur das. Auch ist mein Image als Stilikone durch diesen Fauxpas nachhaltig beschädigt. Hätte ich ihn nicht als solchen zugegeben, sondern alles als pure Absicht verkauft, sähe es vermutlich anders aus. Aber für eine Reaktion in diese Richtung hatte ich zwei, vielleicht drei Sekunden Zeit; danach war klar, daß ich aus der Nummer so einfach nicht herauskommen würde.

Zum schwachen Trost: Immerhin einen der Kollegen beschäftigte im weiteren Tagesverlauf die Überlegung, alles könne eventuell eine Art soziales Experiment meinerseits gewesen sein. War es aber nicht. Es war Geistesabwesenheit, die ich mir Tage später immer noch nicht erklären kann. Was die Annahme nahelegt, daß ich mir das wohl auch nicht irgendwann später im Verlauf meines hoffentlich noch langen Lebens erklären werden kann. Einzige halbwegs plausible Erklärung wäre beginnender Lagerkoller. Bloß: Wenn so der Beginn aussieht, will ich die fortgeschritteneren Stadien nicht bei vollem Bewusstsein mitbekommen.

Was hat die Zeit mit und aus mir nur gemacht?

Nur ein paar Tage später hätte ich alles auf die Zeitumstellung schieben können. Da die Sommerzeit in meinem Bekanntenkreis in etwa so hoch angesehen ist wie ein Zahnarztbesuch, hätte ich nur einen Satz mit den Bestandteilen „unausgeschlafen“ und „dunkel“ murmeln müssen, und alle hätten vollstes Verständnis für mich gehabt. Als ansonsten bekennender Sommerzeit-Fan hätte ich das Angebot gern angenommen, nach Hause zu gehen und mich auszuschlafen, während die anderen meine Arbeit miterledigen. Zuhause angekommen hätte ich einen Blogeintrag verfasst, in welchem ich Menschen durch den Kakao ziehe, deren Schlaf-Wach-Rhythmus schon beim bloßen Gedanken an diese eine Stunde Pogo tanzt.

Manchmal glaube ich, ein von dieser Stunde Betroffener generiert mehr Mitleid als ein in Wechselschicht arbeitender Mensch.

Zeit für mein Coming-out: Früher war die Zeitumstellung für mich ein großes Problem. Es war die Zeit, in der ich regelmäßig größere als für meinen Körper zuträgliche Mengen Bier zu mir nahm. So kam es vor, daß ich ich des Nachts nach Hause kam, etwa zwischen zwei und drei Uhr, wer will das um diese Zeit schon so genau wissen? Ich meine mich an die Absicht erinnern zu können, in diesem Zustand „schnell“ noch alle Uhren umzustellen. Damit ich am nächsten Morgen nicht durcheinander komme. Leider wusste ich wie die meisten nicht, ob eine Stunde vor oder zurück. Es fällt schwer zu rekonstruieren, was mich in dieser Nacht umtrieb, aber offenbar habe ich mich bei den einzelnen im Haushalt vorhandenen Zeitmessgeräten ´mal für diese, ´mal für jene Richtung entschieden. Da sich mein Kurzzeitgedächtnis darüber hinaus den Scherz erlaubte, sich nicht zu merken, welche der Zeitanzeiger ich schon bearbeitet hatte, während ein anderer Teil meines Gehirns sich bereits im Dämmerschlaf befand und mir nur noch signalisierte, daß mir das zu dieser Zeit auch gleichgültig sein könne, hatte ich am nächsten Morgen auf fünf verschiedenen Uhren vier verschiedene Zeiten.

Normal. Daß ich mich eines Nachts nackt im Treppenhaus wiederfand, bei zugezogener Wohnungstür (oder zugefallener, wer will das um die Uhrzeit schon so genau wissen?), war schließlich zu jener Zeit ebenfalls durch Selbstverabreichung übermäßiger Rationen Bier verursacht.

Im Laufe der Jahre und mit zunehmender Reife habe ich mir aber einen etwas souveräneren Umgang sowohl mit den Bieren als auch mit der Zeitumstellung angeeignet.

Wenn allerdings sowohl Zeitverschiebung als auch Konsum nicht nur geringfügiger Mengen Bier als Begründung für das mit den Schuhen nicht taugen, werde ich nicht umhin kommen, eine Erklärung heranzuziehen, die mir nicht gefallen kann:

Das Alter

War die Angelegenheit mit den Schuhen möglicherweise nur der Auftakt. Was also, wenn ich plötzlich nicht mehr besser werde, sondern in der Tat nur noch älter? Was, wenn ich irgendwann wie letztens noch gewitzelt tatsächlich nur noch Sätze der Güteklasse „Hier können Sie nicht stehenbleiben“ über die Lippen bekomme? Mit den Abmessungen eines Einkaufswagens nichts mehr anfangen kann und die Dinger anderen Menschen, die das Pech haben, in der Schlange vor mir zu stehen, permanent gegen die Haxen fahre? Ähnlich dem Lagerkoller gilt: Wenn das erst der Anfang ist, will ich dann das Ende wirklich mitbekommen? Was, wenn ich eines Morgens aufstehe und mein alter Körper als Schale liegenbleibt und ich fortan auch von meiner äußeren Erscheinung her alt bin? Gut – daß ich noch immer im Körper eines 30-Jährigen lebe, ist ein Luxus, von dem ich wissen muss, daß er irgendwann ein Ende haben wird. Aber das will man ja genauso wenig wahrhaben wie die Möglichkeit eines Abstiegs des Fußballvereins des Herzens, und irgendwann ist der Zeitpunkt trotzdem gekommen.

Und wenn man sich dann zurückerinnert, findet man immer diesen einen Punkt, von dem man im Nachhinein weiß, daß dieser der eigentliche Ausgangspunkt einer unliebsamen Entwicklung war.

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